Rock'n'Roll-Nachwuchs begeistert Ballgäste
900 Besucher zur 21. Auflage des Neujahrsballs
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Zwickau. Er ist nicht so glamourös wie der Dresdner Opernball,
die Besucher zeigen keine elitären Allüren und der Tanz ist nicht
nur schmückendes Beiwerk zum Spiel „Sehen und gesehen werden“. Wohl
gerade deshalb kommt der Zwickauer Neujahrsball beim Publikum so gut
an. Nun schon zum 21. Mal.
Mehr als 900 Gäste folgten am Samstagabend der Einladung von Annerose
und Hans-Jörg Kießling ins Konzert- und Ballhaus „Neue Welt“. Der
Neujahrsball ihrer Tanzschule ist bodenständig, bei den Gästen aus
der Region zwischen Glauchau, Mittweida und Döbeln eine feste Größe
im Kalender. Das gilt auch für den Frohburger Mediziner Gunter Guhl,
der seit 15 Jahren teilnimmt. Er ist wie die meisten Ballbesucher
über einen Tanzkurs bei dem aus Wittgensdorf stammenden Tanzlehrerpaar
zum Ball gekommen und schätzt nach wie vor die „traditionelle Form
des Balles, das Jugendstil-Ambiente des Hauses und das Publikum,
das mit beiden Beinen im Leben steht“. Die „Mischung aus festlicher
Atmosphäre, tänzerischen Sensationen im Programm und der vielseitigen
Musik auf dem Parkett“ war für die Lehrerin Sylvia Völs und ihren
Mann ausschlaggebend, dem Ball seit 1994 die Treue zu halten. „Wir
wollten mehr als nur immer wieder Diskofox tanzen. Hier wird auch
mal eine Rumba, Samba oder ein Tango gespielt.“
Zur Musik der Reinhard-Stockmann-Band aus Dresden schwangen nicht
nur die Gäste das Tanzbein, sondern auch die World-Cup-Sieger der
Kombination Standard/Latein, Anton Skuratov und Alena Uehlin. Sie
begeisterten das Publikum mit einem Ausschnitt aus ihrem Repertoire
von Walzer bis Tango.
Die Herzen der Gäste eroberten danach die „Wilden 16“, eine bayerische
Rock’n’Roll-Formation. Die 12- bis 17-jährigen Mädchen und Jungen
haben im Vorjahr alle deutschen Meistertitel gewonnen, die es im
Juniorenbereich zu holen gab, und schafften es bei der WM der Rock’n’Roll-Formationen
auf Rang 3. In Zwickau zeigten sie einige akrobatische Nummern wie
den „Todessturz“ und klassische Hebefiguren. Bei Rentnerin Ingeborg
Girbig aus Hartha weckte das manche lebhafte Erinnerung an ihre
Jugend in den 50er-Jahren: „Die Nummer mit den Anspringen des Tanzpartners
haben wir damals auch gemacht“.
Der Ball ist auch ein Treffpunkt für Menschen mit einem gemeinsamen
Interesse, dem Tanz. Das Gros der Stammgäste sind viele ehemalige
oder aktive Tanzkurs-Teilnehmer der Kießlings, „und es sind
viele Kunden unserer Bank“, wie Birgit Türschmann, Vorstandsvorsitzende
der Volksbank-Raiffeisenbank Glauchau, aus Erfahrung weiß. Jedes
Jahr aufs Neue entscheide der Vorstand, den Ball als Sponsor zu
unterstützen. „Auch weil das viele Mitglieder und Kunden von uns
erwarten“, so Türschmann. Für die leidenschaftliche Hobbytänzerin
verbindet sich so die Pflicht mit dem Angenehmen.
Sie hat noch keinen Ball der Kießlings verpasst, ist auf dem Saal omnipräsent, entweder
im Gespräch mit Gästen oder beim Tanz. „Das ist letztlich auch ein
Stück Förderung der einheimischen Gewerbetreibenden“, meint die
Bankchefin. So hätten vor den Bällen Friseure, Bekleidungsgeschäfte
oder Juweliere der Region spürbar mehr Aufträge als sonst. „Und
wenn die Leute hier in angenehmer Atmosphäre ins Gespräch kommen
und sich so später noch so mancher Geschäftskontakt anbahnt, kann
das nicht verkehrt sein.“
Von Jan Leißner, mit Textauszügen aus der Zwickauer und Glauchauer
Lokalausgabe der "Freien Presse" vom 10. Januar 2011
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